Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Die Tagesklinik Ibbenbüren ist eine medizinische Fachabteilung des Klinikums Ibbenbüren, die allen behandlungsbedürftigen Kindern und Jugendlichen mit ihren Familien offen steht. Der Name „Tagesklinik“ weist darauf hin, dass es sich um eine Behandlungsform handelt, die von montags bis freitags während des Tages angeboten wird. Nachts und an den Wochenenden sind die Kinder und Jugendlichen zu Hause.

Die Behandlung erfolgt durch das Team der Tagesklinik, das nach den Empfehlungen für die tagesklinische kinder- und jugendpsychiatrische Behandlung multiprofessionell zusammengesetzt ist. Die Psychologen, Sozial- und Diplompädagogen, Sozialarbeiter, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Erzieher, Krankenschwestern und Krankenpfleger ergänzen das kinder- und jugendpsychiatrische- psychotherapeutische Behandlungsangebot und werden unter ärztlicher Indikationsstellung und Leitung tätig.

Es stehen zwölf Behandlungsplätze für Schulkinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 17 Jahren zur Verfügung.

Behandlungsspektrum

Psychotherapie

Die therapeutische Arbeit mit der Gesamtfamilie bietet allen Familienmitgliedern die Möglichkeit, die Beziehungen zueinander und den Umgang miteinander zu verbessern, die Bedeutung von Symptomen zu verstehen und neue Entwicklungsaufgaben gemeinsam zu meistern. Einzel- und Gruppentherapien werden in Form von tiefenpsychologisch fundierten Sitzungen, Verhaltenstherapien und Therapien unter systemischer Grundannahme angeboten. Je nach Störungsbild sind psychopharmakologische oder sozialpsychiatrische Interventionsmaßnahmen Teil der Behandlung.

Pädagogische Gruppenarbeit

Sozialpädagogen, Diplom-Pädagogen, Krankenschwestern und Krankenpfleger, Sozialarbeiter und Erzieher sind für die pädagogische Gruppenarbeit zuständig. Im sozialen Umfeld der Tagesklinikgruppe lernt das Kind bzw. der Jugendliche, mit eigenen Schwächen und Stärken sowie auch mit Schwierigkeiten bei der Kontaktaufnahme zu anderen besser umgehen zu können. Die Bezugspädagogen stimmen mit den Eltern pädagogische Ziele und Schritte zur Umsetzung ab.

Ergotherapie

In der Ergotherapie werden schwerpunkthaft Therapieziele ausgearbeitet, die überwiegend durch gezielte handwerklich-gestalterische Angebote mit dem Patienten in Einzel- oder Kleingruppenkontakten verfolgt werden. Im Mittelpunkt dieser psychisch-funktionellen Behandlung stehen Zielsetzungen wie z. B. Selbstwertstärkung, Verbesserung von Ausdauer und Konzentration sowie die Förderung der Handlungsplanung. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit des Einsatzes ergotherapeutischer Diagnostikbausteine und der Durchführung sensomotorisch-perzeptiver (=Körpersinne und Wahrnehmung betreffend) Behandlungsansätze. Bei Bedarf werden Elternhospitationen angeboten.

Psychologische Diagnostik

Bei jedem Patienten werden das intellektuelle Leistungsvermögen sowie der aktuelle Entwicklungsstand untersucht. Hierfür werden gezielte Verhaltensbeobachtungen sowie standardisierte psychologische Testverfahren eingesetzt. So lässt sich ein Überblick über individuelle Stärken oder Teilleistungsschwächen gewinnen. Im Rahmen der Persönlichkeitsdiagnostik werden eine Vielzahl an  projektiven Verfahren und Fragebögen genutzt, um die Persönlichkeit des Patienten sowie die zugrunde liegende Symptomatik besser kennen zu lernen und zu verstehen.

Hundgestützte Therapie

Eingebettet in das therapeutische Gesamtkonzept wird in der Tagesklinik eine hundgestützte Therapie angeboten. Der für die therapeutische Arbeit ausgebildete Therapiebegleithund fungiert als Medium und nimmt oftmals eine Brückenfunktion ein, so dass eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung aufgebaut werden kann, die als Grundlage für eine erfolgreiche Therapie unumgänglich ist. Die positive Wirkung, die der Hund auf das Kind bzw. den Jugendlichen haben kann, wird genutzt um die für das Kind / den Jugendlichen individuell arbeitend Ziele zu erreichen und Förderungen zu bewirken. Dabei geht es beispielsweise um den Aufbau und die Stärkung sozialer und emotionaler Kompetenzen, wodurch die Kommunikation, die Interaktion und das Lernen erleichtert werden kann.

Sozialarbeit

Sozialarbeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist eng an die verschiedenen therapeutischen und pädagogischen (Be-) Handlungsmodelle gekoppelt. Auf der Grundlage der diagnostischen Befunde und des aktuellen Therapieplanes unterstützt sie den Patienten und sein Bezugssystem, indem sie versucht, Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine positive Lebensperspektive für den Patienten ermöglichen können. Bei Bedarf ist eine umfassende Beratung für begleitende und nachfolgende Betreuung der Patienten und deren Familien durch den Sozialarbeiter/in der Tagesklinik möglich, so dass eine übergangslose Hilfestellung nach der Entlassung gewährleistet ist.

Physiotherapie

Da kognitive Defizite und psychische Verhaltensauffälligkeiten häufig mit Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen im Zusammenhang stehen, werden diese Kinder bzw. Jugendlichen mit spezifischen Motoriktestungen befundet und gegebenenfalls auch behandelt. Ziel ist es, Defizite auszugleichen und zu verbessern, um ihnen so psychosoziale Beeinträchtigungen zu nehmen.

Schule

In enger Kooperation mit der Heinrich-Hoffmann-Schule (zur Webseite der Schule), Schule für Kranke, können Schüler die Lernangebote der verschiedenen Schulformen unseres Schulsystems nutzen. Das Unterrichtsangebot richtet sich nach den individuellen Voraussetzungen des Schülers, nach Alter und Entwicklung, Lern- und Leistungsstand, Sozialverhalten und dem Grad der psychischen Störung.
Die Arbeit in der Schule steht in engem Zusammenhang mit dem therapeutischen Prozess in der Tagesklinik. Die schulischen Anforderungen werden so gestaltet, dass sie dem jeweiligen Krankheitsbild und Behandlungsablauf entsprechen. Gemeinsam mit den Eltern und den Mitarbeitern der Tagesklinik planen die Lehrkräfte die weitere Schullaufbahn der Schüler, helfen bei Umschulungen und leisten gegebenenfalls auch Nachbetreuung.

Institutionsübergreifende Aufgaben

Ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist die Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten und den nichtärztlichen Psychotherapeuten, Kliniken und Institutionen, wie z. B. Erziehungsberatungsstellen, Schulen und Jugendämter sowie die Mitarbeit in verschiedenen Gremien.

Die enge Zusammenarbeit ermöglicht einen intensiven Austausch über die Möglichkeiten und Grenzen der Kooperationspartner mit u. a. dem Ziel einer genauen Auftragserklärung für die beteiligten Institutionen und die Tagesklinik im zu erstellendem Gesamtplan für die Kinder und Jugendlichen mit ihren Familien.

Aufnahme in die Tagesklinik

Wer kann aufgenommen werden?

Kinder und Jugendliche, die über das gewöhnliche Maß hinaus unglücklich und traurig sind. Kinder und Jugendliche, die unter einem Mangel an altersgerechten sozialen Kontakten leiden. Kinder und Jugendliche, die nach dem Eindruck ihrer Bezugsperson (z. B. Eltern, Lehrer, Hausarzt oder Kinderarzt) in ihrer seelischen Entwicklung gefährdet sind. Kinder und Jugendliche, die sich aufgrund einer Störung des seelischen Gleichgewichts in ihrem Leben nicht mehr zurechtfinden. Kinder und Jugendliche, die durch ihr Verhalten in ihrer Lebensumgebung (z. B. Familie oder Schule) auffallen und dadurch häufig mit ernsthaften Problemen konfrontiert werden. Kinder und Jugendliche, die sich gegenüber äußeren Reizen nur schlecht abschirmen können, die sich leicht ablenken lassen und deren Konzentrationsfähigkeit dadurch beeinträchtigt ist.

Kinder und Jugendliche, die nachhaltig darunter leiden, dass ein Familienangehöriger von einer ernsthaften seelischen oder körperlichen Erkrankung betroffen ist. Kinder und Jugendliche, die zusammen mit ihrer Familie so große Probleme zu lösen haben, dass sie therapeutische Hilfe brauchen, um Lebensperspektiven für sich zu entwickeln. Kinder und Jugendliche mit psychosomatischen Störungen (z. B. Essstörungen, Schlafstörungen, Enuresis, Enkopresis, Tic-Störungen) und mit psychiatrischen Störungen bei Krankheiten mit Organveränderung (z. B. Asthma bronchiale, Neurodermitis) soweit nicht der körperliche Befund eine vollstationäre Behandlung erforderlich macht. 

Welche Leitgedanken sind für unsere Arbeit von grundlegender Bedeutung?

Die Kinder und Jugendlichen werden im Kontext mit dem jeweiligen sozialen Umfeld gesehen und behandelt. Eine Mitarbeit der Familie ist Voraussetzung bei der Behandlung des betroffenen Kindes bzw. Jugendlichen, da wir den Erfahrungsschatz, den die Familien über viele Jahre hinweg im Umgang miteinander gesammelt haben, für die Behandlung nutzen. Um einen langfristigen Behandlungserfolg zu sichern, wollen wir den Familien Anregungen geben, wie sie das Kind bzw. den Jugendlichen unterstützen können. Die systemische Sichtweise richtet sich auch auf unser inter-institutionelles Zusammenspiel und auf unseren Wunsch und unser Streben nach der Kooperation mit Jugendämtern, Ärzten, Schulen und anderen Institutionen. Die Vielfalt der beruflichen Qualifikationen und die Lebenserfahrungen der Mitarbeiter ermöglichen es, dass Kinder und Jugendliche zusammen mit ihren Familien aus verschiedenen Blickwinkeln wahrgenommen werden und somit auch Unterstützungen und Anregungen in vielen unterschiedlichen Bereichen erhalten können. In gemeinsamen Besprechungen stimmen wir unsere Eindrücke und Vorgehensweisen untereinander ab. Für jedes Kind und jeden Jugendlichen wird entsprechend seiner Problematik, seinem Alter und Entwicklungsstatus ein individuelles Therapieangebot zusammengestellt, in das grundsätzlich die Eltern bzw. entsprechende Bezugspersonen mit einbezogen werden.

Wann ist eine Aufnahme nicht möglich?

Eine Aufnahme in die Tagesklinik kann nicht erfolgen, wenn Kinder bzw. Jugendliche sich selber oder andere durch ihr Verhalten so gefährden, dass eine kontinuierliche Überwachung erforderlich ist. Eine Aufnahme in die Tagesklinik kann auch dann nicht erfolgen, wenn außerhalb der Behandlungszeiten der Tagesklinik keine ausreichend Betreuung durch die Eltern oder andere Bezugspersonen gewährleistet ist.

Was ist für eine Aufnahme erforderlich?

Für die teilstationäre tagesklinische Behandlung werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen.

Einweisung:
Einweisungen an die Tagesklinik können durch alle niedergelassenen Ärzte vorgenommen werden; es muss eine ärztliche Verordnung für eine „teilstationäre Behandlung“ vorliegen. Damit wir uns gegenseitig ein wenig kennenlernen können, bieten wir den Kindern und Jugendlichen mit ihren Familien ein Vorgespräch an, in dem wir unsere therapeutischen Angebote näher vorstellen und Fragen zur Behandlung beantworten. Nach diesem Gespräch können wir den Zeitraum angeben, in welchem eine Aufnahme in unsere Tagesklinik erfolgen kann. In dringenden Fällen ist dies auch kurzfristig möglich.

Wie lange dauert die Behandlung in der Tagesklinik?

Die Mithilfe der Familie ist für die Behandlung nötig, da wir den Erfahrungsschatz, den die Familie über viele Jahre hinweg im Umgang miteinander gesammelt hat, für die Behandlung nutzen möchten.
Die Behandlungsdauer richtet sich nach den individuellen Erfordernissen: Im Durchschnitt ist von einer zwei- bis viermonatigen Behandlung auszugehen.

Kontakt

Ansprechpartner

  • Chefärztin
    Dr. med. Ulrike Schöneich
    Ärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
    05971 42-1120 (Rheine)
    05451 52-1701 (Ibbenbüren)
    u.schoeneich(at)mathias-spital.de

Das Team

  • Herr M. Jepp, Oberarzt
    Facharzt Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie
  • Frau Dr. med. M. Ricken
    Stationsärztin
  • Frau N. Daßmann
    Dipl.-Psychologin, psychologische Psychotherapeutin in Ausbildung
  • Frau T. Wigbers
    Kinder- und Jungendpsychotherapeutin
  • Frau N. Knappmeyer
    Kinder- und Jugendpsychotherapeutin in Ausbildung
  • Frau N. Johanning
    Ergotherapeutin
    Zusatzqualifikation verhaltenstherapeutsiches Training
    Bachelor of Arts für Medizinalfachberufe (Gesundheitspädagogik)
  • Frau B. Heinrigs
    Dipl.- Sozialpädagogin / MarteMeo Practitioner / Trainerin Selbstbehauptung/Selbstverteidigung
    Pädagogische Leitung
  • Herr J. Hehemann
    Dipl.- Sozialpädagoge / Krankenpfleger
    Pädagogische Leitung (stellv.)
  • Frau M. Lunemann
    Dipl.- Pädagogin / Krankenschwester, Elterntrainerin
  • Frau Ch. Edelbusch
    Dipl. Pädagogin
  • Herr Ch. Lübke
    Erzieher
  • Frau C. Ewering
    Sozialarbeiterin / Erzieherin
  • Frau N. Obermeyer
    Physiotherapeutin