Thoraxwand

Thoraxwand einschließlich Brustbein

Die Wand des Brustkorbes (Thoraxwand) wird von Brustwirbelsäule, Brustbein und Rippen (knöcherner Thorax) sowie von Muskulatur gebildet. Er dient zum Schutze der Brustorgane sowie der oberen Bauchorgane und ist im Zusammenwirken mit einer Vielzahl an Muskeln inklusive dem Zwerchfell ein wesentliches Element der Atmung. Verletzungen, Tumore und Deformitäten (Trichterbrust, Kielbrust) des knöchernen Thorax werden häufig operativ versorgt.

Für weitere Informationen über den Thorax besuchen Sie bitte:

Deformitäten

Kielbrust

Als Kielbrust (Pectus carinatum) bezeichnet man eine Fehlbildung des knöchernen Thorax, bei der das Brustbein (Sternum) unphysiologisch weit nach vorne (ventral) reicht. Die lateralen Rippenanteile bilden dagegen tiefe, gelegentlich asymmetrische Mulden, so dass bei gleichbleibendem oder verkleinerten Transversaldurchmesser der sagittale Durchmesser des Thorax vergrößert ist.

Das Pectus carinatum ist meist angeboren (beispielsweise als Symptom beim Silverman- oder Marfan-Syndrom). Eine erbliche Disposition wird postuliert. Eine seltene Ursache für das Pectus carinatum ist die nicht stellungsgerechte Heilung des Brustbeins nach offener Herzchirurgie.

In der Regel haben nur sehr schwere Deformationen einen wirklichen Krankheitswert. Die meisten Patienten sind durch die Fehlbildung nicht eingeschränkt und zeigen eine normale Entwicklung der Thoraxorgane. In ausgeprägten Fällen kann es bei starker körperlicher Belastung zu einer ineffizienten Atmung mit verstärktem Einsatz der Atemhilfsmuskulatur kommen. 

Als weitere Einschränkungen werden verminderte körperliche Leistungsfähigkeit, häufige Atemwegsinfektionen, sowie eine erhöhte Asthma-Inzidenz genannt. Die Studienlage ist jedoch nicht eindeutig.

Mehr Probleme bereitet den Patienten - insbesondere im Kindesalter - häufig die psychische Belastung durch die Deformität, die im wesentlichen durch die soziale Umgebung getriggert wird. Sie kann sich durch ein negatives Selbstbild, das Gefühl der Stigmatisierung oder Ängstlichkeit bemerkbar machen.

Die Therapie erfolgt meist aus psychologischen Gründen (Deformation) und besteht in einer operativen Umformung des Brustkorbes.

Trichterbrust

Für die trichterförmige Einsenkung des Brustbeins (Sternum) und der Rippen sind erbliche Faktoren, Veränderungen in den Knorpelverbindungen zwischen Brustbein und Rippen, sowie eine bogenförmige Einziehung des Schwertfortsatzes (Processus xiphoideus, kaudaler Teil des Sternums) in den Brustraum verantworlich. Die Einziehung des Xiphoids ist durch bindegewebige, strangförmige Verwachsungen desselben mit dem Centrum tendineum des Zwerchfells bedingt.
Die Trichterbrust stellt eine relativ häufige Fehlbildung dar; die Inzidenz beträgt ca. 1:300 aller Lebendgeburten. Jungen sind dreimal häufiger betroffen als Mädchen. Bei einem Großteil der Fälle liegt eine familiäre Belastung vor.

Es handelt sich um eine genetisch bedingte Fehlbildung, die sich häufig erst im Laufe des Körperwachstums bis zum Ende der Pubertät ausprägen und verschlechtern kann. Besonders Haltunsschwächen tragen zu einer Verformung bei. Liegen andere frühkindliche Erkrankungen, wie z.B. Marfan-Syndrom oder fetalem Alkoholsyndrom vor, so ist das Risiko einer Trichterbrust deutlich erhöht. Selten spielt für die Ätiologie die Rachitis eine Rolle.

Da der Brustkorb im Kindes- und Jugendalter relativ elastisch und dehnbar ist, und sich die hinter der vorderen Brustwand gelegenen Organe wie Herz und Lunge an die Verformung des Brustkorbs anpassen können, leiden junge Patienten/-innen nur selten an schwereren körperlichen Symptomen. Bei Erwachsenen treten dagegen vermehrt körperliche Beschwerden auf.

Besonders durch eine stark ausgeprägte Trichterbrust können folgende körperliche Symptome auftreten:

  • Konditionsschwäche
  • Engegefühl
  • Kurzatmigkeit
  • Schwindel
  • Palpitationen
  • thorakale Schmerzen

Des Weiteren kommen - bedingt durch Fehlbelastung - nicht selten Rückenschmerzen und Verspannungen der Rückenmuskulatur vor. Selten kann eine Trichterbrust auch Sodbrennen (Gastroösophagealer Reflux) verursachen.

Die meisten Patienten leiden jeoch weniger an körperlichen Symptomen, sondern vielmehr unter der psychischen Belastung die die entstellende Brustwanddeformierung mit sich bringt. Viele betroffene Teenager gehen ungern ins Schwimmbad oder meiden enge T-Shirts. Mitunter führt die körperliche Deformität zu Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken.

Leichten Formen der Trichterbrust kann während der Wachstumsphase mit gezieltem Training, Physiotherapie und Saugglocke entgegengewirkt werden. Ist eine Trichterbrust jedoch bereits stark ausgeprägt, kann sie nur durch eine Operation unter Vollnarkose korrigiert werden. Die OP-Indikation ergibt sich aus dem Ausmaß der seelischen und körperlichen Beeinträchtigung.